VOR DER KAMERA

Bei Projekten vor der Kamera durchströmt mich ein Fluss an Ideen. Ich bin in dem Moment reiner, kreativer Ausdruck. Es ist direkt, unmittelbar und pur. Mein Weg, mich expressiv zu entfalten. Da ist kein Zweifel, keine Unsicherheit, keine Angst. Vor der Kamera kann ich mehr Ich sein, als gegenüber menschlichen Augen. Sie ist mein Freund. Ich muss weder reden noch zwanghaft den Etiketten genügen. Es gibt keine angebrachte oder unangebrachte Reaktion auf dieser Spielwiese. Eine Zeit, in der ich mich austeste, austobe und Blicken aussetze. Weit über den kurzen Moment der Aufnahme hinaus. Ein Dialog mit mir selbst, mit der Kamera, mit dem oder der Künstler/in dahinter.

Ist es nicht seltsam, sich selbst zu sein und sich dabei aber niemals selbst zu sehen? Auch ein Spiegel erzählt keine Wahrheit. Auch eine Videosequenz beschränkt sich nur auf einen kleinen Teil des eigenen Lebens. Wie soll man herausfinden, wer man ist, wenn man immer nur die anderen sieht? Ich konfrontiere mich mit mir selbst, zumindest mit einer Seite von mir. Mir ist klar, dass auch das nur eine Illusion ist. Nicht besser, als der reale Spiegel und schon gar nicht besser als das Bewegtbild. Und dennoch sammele ich all diese Teile, um zu forschen, um zu verstehen und um hinter das Geheimnis zwischen Individualität und Einheit zu gelangen.

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